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Germany
Studentin. 23 Jahr, sprödes Haar. Über alles und nichts im Leben.

Dienstag, 25. Januar 2011

fiktion unendlich




Das Bitten um Hilfe darf nicht manipulativ werden. Manipulation, das mögen sie hier alle nicht.
Ich werfe mich auf den Boden und eigentlich würde ich gerne noch viel mehr machen, schreien und weinen und mich beißen und kratzen. Torvald und ich haben schon lange kein Wort mehr miteinander gewechselt.
Ich weiß eigentlich gar nicht mehr wie das geht, um Hilfe fragen ohne dabei zu manipulieren. Ich hasse die Menschen, sie sind nie für mich da. 
Ich will dass es ihm auch schlecht geht, er soll sehen was er mit mir gemacht hat und das gleiche fühlen, er soll sich so fühlen wie ich mich fühle. Kleine Kinder werfen sich auf den Boden, an der Supermarktkasse, weil sie noch einen dieser Schokoriegel wollen. Mein Vater zeigt kein Verständnis dafür, dass ich mich auf den kalten Küchenfliesen zusammenkauere und leise schluchze. Er steigt über mich hinweg. Kurz sehe ich seinen strafenden Blick, dann drücke ich mein Gesicht in die Pulloverärmel.
Heute wollte ich fröhlich sein. Mir war gar nicht nach Weinen zumute, als ich aufgestanden bin. Heute wollte ich mich leicht fühlen und ein wenig tanzen. Ich habe meinen ganzen Kleiderschrank ausgeleert, um zu sehen, was weg kann. Da waren so viele Teile, an die ich mich kaum erinnern konnte und die ich endlich mal anziehen sollte. Dann habe ich so viel wie möglich von dem angezogen, was ich noch nie getragen habe und in den ganzen Kleidungsstücken schwitze ich mich halb zu Tode. Aber Torvald soll denken, dass ich friere. Ich winde mich auf den kalten Küchenfliesen. In all den Sachen bin ich viel zu unbeweglich, um zu tanzen.
Ich bin gerne allein. Ich mag niemandem. Mich mag ich auch nicht, weil mich eigentlich auch niemand mag. Ich wickele mich gerne in die vielen Decken in meinem Bett ein und schaue aus dem großen Balkonfenster. So verbringe ich die Zeit, die ich nicht in der Schule verschwenden muss.
Ich weiß nicht, was ich später mal werden will. Vielleicht tot sein. Meine Noten sind gut, sterben wäre Verschwendung in den Augen meines Vaters. Ich glaube ich will einfach wegziehen und mich nicht wieder durch die Grenzen einer Institution einsperren lassen. Torvald sagt, ich werde Jura studieren. Ich bräuchte neue Herausforderungen, ich langweilte mich zu viel.

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Wenn das viele Liegen und aus dem Fensterstarren zu langweilig wird, stehe ich auf und öffne die Balkontür. Zünde mir eine Zigarette an. Krümmele mit der Asche auf meine Socken und meine Hände. Manchmal verbrenne ich die Enden meiner langen Haare mit der Zigarette, die sind eh so kaputt vom vielen Färben. An der Hausaußenwand drücke ich die Glut aus. Da sind schon viele Flecken, die der Regen nie erwischen wird. Ich mag das. Es erinnert mich an die großen Schwestern der Mädchen aus der Grundschulzeit. Einige der Mädchen erzählten immer, dass ihre Schwestern alle aufgerauchten Zigarettenschachteln sammelten und sie an die Wand hingen. Wohl um anzugeben, wie viel Coolness sie schon verqualmt hatten. Mir war das immer egal, ich wollte nie eine dieser großen Schwestern, die ständig rauchen und Sex haben. Ich habe dann nur immer gedacht, dass ich auch mal so sein werde, nur ohne die kleine Schwester, die das herumerzählt.

Und die vielen Abdrücke an der Hauswand, die stehen irgendwie dafür.
Ich weiß es nicht, ist nur so in meinem Kopf gewesen.
Um Torvald zu ärgern, bringe ich manchmal jemanden mit nach Hause. Eigentlich freut er sich, wenn ich ihm den Glauben schenke, Freunde zu haben. Mit diesen Freunden sitze ich hier in der Küche und quatsche, wir trinken Tee und abends dann etwas Kaffee und viel mehr Sekt. Diese Freunde bringen mich weiter. 
Das war aber nur ganz selten so.
Irgendwann habe ich begonnen, an den Wochenende auszugehen. Dann in der Woche. Und weil Torvald selten bemerkte, dass es eher ungünstig für meine schulische Leistungen ist, wenn ich erst wenige Minuten vor Schulbeginn nach Hause komme, habe ich begonnen, sie mitzubringen. Jemandem in meinem Alter, das war leicht. Betrunken sind wir die Treppe hoch in mein Zimmer gestolpert und er hat noch versucht, an mir herumzufummeln, ist dann aber gleich eingeschlafen. Dann habe ich Männer gesucht. Einmal war da jemand, der war vielleicht ein paar Jahre jünger als Torvald. Ich hatte mich sehr stark geschminkt, doch vielleicht stand er wirklich einfach auf kleine Mädchen. Er sah gut aus und schien Geld zu haben, ich ging da mittlerweile nur noch in die Clubs mit hohem Eintritt und den Anzugträgern. Dabei finde ich Menschen unsympathisch, die nicht einmal in ihrer Freizeit beim Feiern Jeans und Shirt tragen können. Er hat mich zum Essen eingeladen, ein paar Tage darauf. Gespräche über die Langeweile, ein wenig über die Liebe, über viel von dem, was ich kannte und dann wieder viel von dem, was ich nicht kannte, wovon ich vielleicht gar nichts wissen wollte. Ich hatte alles an Gefühlen und Körperirritationen, was ich nicht haben wollte.
Das war das erste Mal, dass Torvald mich darauf ansprach. Er hatte es kaum realisieren können, war außer sich vor Wut, hilflos irgendwie. Ich weinte, weinte viel und mochte ihn nie mehr ansehen. Er hat versagt. Das weiß er. Das hielt ich ihm jetzt vor Augen. Mehr wollte ich nicht. Und weinen tue ich auf Knopfdruck.
Ich bin manipulativ. Ich habe aufgehört, darauf zu warten, dass jemand mich beachtet und mir hilft. Ich habe aufgehört, zu fragen. Zu bitten. Manchmal bettele ich. Manchmal spiele ich, damit er mich beachtet. Vielleicht werde ich bald wegziehen, die Schule nähert sich dem Ende. Ich will eigentlich nur weg sein. Ich will gar nicht an einem anderen Ort sein und da leben. Ich will nur dass sie hier alle wissen, ich bin weg. Meine Noten sind zu gut, um nichts aus meinem Leben zu machen, sagt mein Vater. Ich will weg sein. Weggehen will ich aber gar nicht, das kostet so viel Kraft.

Samstag, 15. Januar 2011

leer und wieder leer und doch so voll von allem

Er ist so oft genervt von mir. Ich bin viel öfters genervt von ihm und von allem, sowieso. Zweifel, Trauer, der Wunsch nach Schmerz. Dann kommt alles wieder ganz anders, plötzlich, einfach so, aus heiterem Himmel.
Alles kommt so völlig anders.
Zeit macht tot, Zeit totschlagen, gegenseitiger Mord.
Was bringt mir mein Studium, dann plötzlich wieder diese Leier im Kopf, von der ich auch immerzu berichte und leide und jammere und noch mehr leide. Nur Weinen, das geht gar nicht mehr. Ich lache dann nur über mich selbst.
Es ist nur alles so leer und Anstrengung ist für nichts und ich lese ja eh nicht. Ja doch nicht, so war ich ja auch noch nie, lesen.
Schreiben.
Wer viel liest der kann noch träumen, hatte ich ja schon oft gesagt und wie soll man schreiben, wenn man nicht liest. Diese vielen Hausarbeiten, Ausarbeitungen, ich muss viel lesen, ich muss arbeiten, passen, ins System. Und schweigen und dann doch wieder sprechen, aber an Stellen, an denen ich gar keine Lust dazu habe. Eigentlich habe ich nur Lust wenn es ums Beschweren geht, wenn ich meckern darf, kritisieren, und hinter der Kritik mit den versteckten Vorurteilen kann ich mich verstecken und ausruhen.
Denn es ist ja eh alles für die Katz.
Nur mal so als Sammelsurium einer Nacht.

Donnerstag, 13. Januar 2011

am rande

Es ist alles so hektisch und ich mag allein sein, um Ruhe zu finden. Doch plötzlich mag ich dich an meiner Seite wissen, dich fühlen, wie du neben mir liegst, sicher sein. Nur dass ich keine Kraft mehr habe, deiner gebündelten Energie gerecht zu werden. Und Zeit gibt es eh keine. Deswegen ja die Hektik. Ich hätte gerne ein Zuhause, ein Zuhause in dem nur ich ich bin und sonst niemand. In dem alles ist, was mir wichtig ist. Und das Telefon mit den Nummern meiner Eltern. Und deiner, ab du magst gerade nicht reden und eigentlich ist das ja auch gut, denn manchmal merke ich wie viel wir voneinander verlangen und wie sehr wir den anderen einnehmen. In diesem Zuhause gibt es eine gemütliche Wohnküche mit einer richtigen Küchenzeile und dem schönen, großen Küchentisch mit den Gabeleinstichen aus meiner Kindheit ("Ich habe Hunger, Mama", schreie ich vor Wut und haue mit der Gabel in das Holz). Ein Kräuterbeet auf der Fensterbank und dem Schaltplattenspieler auf der Kommode. Und ein Bad, mit Badewanne, Kerzen und Pflanzen auf dem Wannenrand. Einem Spiegel und rundherum stehen meine vielen Cremetiegel, Wässerchen und Farbpuders verteilt. Kuschelige Handtücher, in die ich mich drücke, wenn ich aus dem Wannenwasser steige. Dann stolpere ich in mein geräumiges Schlafzimmer, in dem das Bett der Mittelpunkt ist. Ein größeres Bett als mein jetziges, mit vielen vielen Kissen und einem Baldachin und Büchern am Fußende. Davor steht eine Recamiere und ein Teppich, auf den man sich kuscheln mag. Im Flur dann der praktische Kleiderschrank. Und vielleicht auch ein Haustier? Ach nein, eigentlich nur meinen Freund, der mich oft besucht und sich freut, weil wir auch in der Woche um 2 Uhr nachts noch mit dem Geschirr klappern dürfen.
Aber alles hat zwei Seiten, Enden, wie auch immer.

Dienstag, 11. Januar 2011

the second skin


Ich find mich okay so wie ich bin. Ja, ich mag mich oft nicht. Nein, ich mag mich, ich mag nur oft nicht, was andere von mir denken könnten. Aber unter all dem Schaustellen da ist etwas, das ich mag.
Ich mag dich auch.
Und Angus und Julia Stone.

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Ich hoffe es geht dir gut und du kannst sehen, das da viel in dir ist, viel von dem, was du mögen darfst. Und zeigen. Und dann können andere es auch mögen.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Mit Schere, Klebeband und Pappe schafft Thomas Demand Kunstwerke, die mit Fiktion und Wirklichkeit spielen.


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Wirklichkeitsgetreue Pappkulissen.


Thomas Demand baut Tatort- und Pressefotografien lebensgroß aus Papier nach, um sie dann zu fotografieren. Er hat ein ganzes Team, das ihn beim Erstellen des Modells unterstützt. In akribischer Feinarbeit wird mit viel Kartonpapier, Scheren, Grafikmesser, Leim, Büroklammern und Klebeband gearbeitet.


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Thematisch umkreisen die Fotoarbeiten, denen häufig Bildvorlagen aus den Massenmedien zugrunde liegen, gesellschaftliche, geschichtliche und politische Ereignissen aus Deutschland. Es gibt keine direkten Hinweise auf das dargestellte Ereignis, so sind auch nie Menschen zu sehen. Demand spielt vielmehr mit der Erinnerung an markante Züge des Ursprungsfoto aus den Massenmedien. Es handelt sich um Artefakte, die mit den Vorstellungen des Betrachters von Fiktion und Wirklichkeit spielen.


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Demand sieht sich nicht als Fotograf, obwohl dies sein Ausstellungs-Medium ist. Man kann aber auch nicht sagen, dass er ein Modellbauer ist, da man nur seine Fotos sieht. Am ehesten ist er wohl ein Reproduzent der Medien oder ein Illusionist.


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Letztes Jahr sah ich Demand in der Nationalgalerie in Berlin, kurz bevor ich Natascha traf. Jetzt halte ich ein Referat über ihn im Unikurs "Fotografie des Interieurs".


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Wolfsschanze (Tarnname für militärisches Lagerzentrum im heutigen Polen), der Ort eines versuchten Hitler-Attentates, Werk verkauft im Frühjahr 2008 für EUR 190.400, Weltrekord für eine Arbeit des Künstlers


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Uwe Barschels Tatort, Genf (tot aufgefundener CDU-Politiker)


Freitag, 31. Dezember 2010

Letztens habe ich mit Tom Tykwer telefoniert.

Das Leben leicht nehmen, irgendwie, und doch ernst, aber das Leben leben, nicht versuchen, sinnlos zu kämpfen, die Zeit mit Trauern und mit dem Herumbasteln an Menschen zu verbringen. Und noch was draus machen, auch wenn alles eigentlich schon erreicht ist. Unter anderem das verbinde ich mit „Drei“, dem neuen Film des Regisseurs Tom Tykwer, den ich seit „Lola rennt“ ins Herz geschlossen habe. Letztens war ich in der Filmpremiere und wartete auf den Regisseur, der wegen des Wetters auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover im Stau feststeckte (es ist ja immer wieder toll, wie sehr wir doch trotz all des technischen Fortschritts vom Wetter bestimmt sind). Also galt es zu improvisieren, und so lauschten wir Toms Stimme aus dem Handy, die von der mit klagenden Blicken verunsicherten Kinofrau verzweifelt an das Mikro gepresst wurde. Nach dem Film war der Ärger über diese regisseurreiche Premiere jedoch längst vergessen. Denn „Drei“ ist ein Meisterwerk. Und wieder zieht es mich in meinen Träumen nach Berlin, wo die Protagonisten leben...

Vorgestern war ich dann noch mal in dem Film, in einer anderen Stadt und in einem anderen Kino. Und auch ein drittes Mal ist vorstellbar...


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Sophie Rois ist fabelhaft.


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"Kein flotter Dreier", schreibt Zeit Online.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Leben und übers Leben reden. Hausarbeiten schreiben.

Gerade frage ich mich mal wieder, wieso ich tagelang gestapelte, mit Essensresten verklebte Töpfe plötzlich gerne spüle und auch noch poliere. Das ist so random.


Lange schon habe ich nichts mehr geschrieben. Viel ist passiert. So ist vielleicht das Leben in einer Großstadt. Die Uni habe ich schleifen lassen kurz vor den Winterferien, jetzt geht es aber bald wieder los und ich werde mich bemühen, es mit dem Pendeln und dem Textelesen ernster zu nehmen. Es warten drei Hausarbeiten und ein Referat und wie immer wenn Schreibtischarbeit wartet, ist die Wohnung sauberer als je zuvor. Denn auf einmal spült man gerne, saugt, bewältigt Wäscheberge und das Bett wird auch schon wieder frisch bezogen. Irgendwie glaube ich, so eine bessere Arbeitsatmosphäre zu schaffen, dann werde ich ruhig alle Texte lesen können, in dem Wissen, das um mich herum alles sauber und aufgeräumt ist. Alles, was ich bis jetzt von dem dicken Reader gelesen habe (bzw. gemarkert habe), ist der Abschnitt Zeitplanung. Da geht es darum, sich mittels eines Planes über einen längeren Zeitraum hinweg Klarheit zu verschaffen, ob die gesetzten Ziele realistisch seien. Aber am Ende ist ja genau das mein Problem - ich habe zu viel Zeit mit dem Planen verbracht, anstelle etwas umzusetzen, etwas zu tun, was mich weiterbringt.

Wieder habe ich in einen teuren Kalender für das neue Jahr investiert, in dem ich alle to-do-Listen unterbringen kann, Träume und Wünsche festhalten werde, die ein oder andere Skizze von interessanten Dingen oder Personen, hineingeklebte Fotos und Theaterkarten in der Lasche ganz hinten. Es kann helfen, Dinge aufzuschreiben, zu planen, sich so über Vorstellungen und Erwartungen klar zu werden. Es mag eine Art des Verarbeites sein, Ängste vor Neuem abbauen, oder eben einfach nur Tagträumerei. Jedenfalls hat es oft nichts mit Klarheit verschaffen zu tun. Und dennoch werde ich jetzt genau das tun, was in diesem Reader steht: einen Zeitplan erstellen und mich somit auch gleich an die Vorbereitungsphase der ersten Hausarbeit meines Lebens setzen.

Nachtrag: Immerhin auf mündliche Prüfung vorbereitet... Dann hab ich ja jetzt wieder viel Zeit für so leere Ablenkungssachen.

Hier lesen könnt ihr mich eigentlich nur, wenn ich gerade vergesse, dass ich ein Leben habe. Und so rumsitze. Manchmal mit Extrem-Erkältung, dann wieder nur eine sentimentale Phase.



Montag, 29. November 2010

mirror mirror on the wall dont you know you got it all

Sometimes I wish I had the power to make myself invisible.

I like days in my bed. But when can I have one of those lonely-days?
I like dreaming.
Ich lebe vom Träumen.
Ich will fort, fern.

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Jetzt träume ich von Berlin, seit Tagen. Möchte in Friedrichshain wohnen und jedes Wochenende, Samstag, im Berghain tanzen. Und Freitags, stundenlanges Abhängen in der Panoramabar, Beobachten der Leute, der kranken Masse, dazugehören und drüber nachdenken.
Dafür wird mein ganzes Freizeitgeld draufgehen und manchmal werde ich dann tagelang nur diese Chinatütensuppen löffeln, um für ein kaputtes Szenenleben zu sparen. In den Spätis kaufe ich in schlaflosen Nächten Milch für Milch-mit-Honig und an den Sonntagen treffe ich Natascha zum Kaffeetrinken oder verkrieche mich den ganzen Tag im Bett. Dann lerne ich Nora Clara endlich kennen, in einem der Cafés an der Oranienstraße, und ich schreibe hier so Sachen wie Nora und ich haben gerade festgestellt, dass man sich in dieser Stadt, die eigentlich aus vielen kleinen Städten besteht, nie zuhause fühlen wird, weil man hier nichts je so kennen wird wie seine Westentasche. Und natürlich war uns das beiden klar.
Und manchmal bleiben Träume Träume und manchmal wird auch mehr aus ihnen. Oder mehr ist dann weniger, das geht ja auch.
Ich lese oft diese Bücher der Berliner Autoren, Frühling und so und Axolotl Roadkill und Strobo von Airen, das regt mich zum Träumen von einem fernen Leben an, in das ich mit dem Umzug von Münster nach Hannover einen kleinen Schritt gewagt haben könnte. Ich mag keine Studiengebühren zahlen, mag frei sein, frei in der Illusion, denn eigentlich werde ich von tausend kulturellen Einflüssen beeinflusst und kann dort wohl möglich weniger frei sein als überall sonst. Und dennoch, für mich steckt hinter dieser Stadt die Macht der Möglichkeiten.
Es ist alles so simpel, ich ticke fast billiger als ein Wecker, nur dass ich vielleicht nie aufwache.
Weil es auch gar keinen Grund dafür gibt.
Und alle Surrealisten waren Großstädter, im Paris der 20er und 30er Jahre. Gerade, in der Kunst und Psychoanalyse Vorlesung, Magritte, Inbegriff der künstlerischen Empfindlichkeiten, bei ihm sind alle Menschen Mutanten, Wesen, die andere Daseins- und Wirklichkeitsformen anstreben. „Der große Krieg“, Mann in Anzug mit grünem Apfel vor Gesicht. Hier entsteht das Gefühl der Abwertung. Magritte will die Fremdheit verdrängen, die Gesichter verschwinden in der Großstadt, man wird Teil eines Systems, welches darauf ausgerichtet ist, unbeschadet von A nach B kommen zu können. Aber in diesem Gefüge muss man fremd bleiben, Gesicht verdrängen, weil man sonst eben nicht hineinpasst, ausgesondert wird ("Man muss einen Apfel vor dem Gesicht tragen, poetisch vollendet gesagt", so die Dozentin).

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Stereotype Anonymität.

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Der moderne Mensch wird unter dem Einfluss der Großstadt zu einer anderen Spezies.
1903, „Die Großstädte und das Geistesleben“: Großstadt ist da, wo der Mensch immer wieder aus seiner Individualität gerissen wird und sich mit dem, was um ihn herum geschieht, arrangieren muss...
Fotos via wehearit

Mittwoch, 10. November 2010

sprudelartig


Es bleibt nichts mehr übrig von dem was war? Sinnlosigkeit, Irren. Ich verliere mich grenzenlos, hatte mich nur in deiner Nähe.
Und dann wird es besser. Geht das einfach so? Darf man das zulassen? Worum geht es noch?
Es passiert und fühlt sich gut an.

Wir sitzen in diesem Poetry-Slam, im Hannover Opernhaus, und da kommen diese vielen Sätze in meinen Kopf. Einer der Slammer, ich weiß gar nicht mehr ob es vielleicht der war, der nachher auch gewinnt, sagt etwas wie "Wir werden nie so träumen wie ihr wach seid" und das bleibt kurz hängen. Dann lese ich etwas von Novalis, über Wirklichkeit und Träumen. Tagträume in unserem Leben und am Ende ist doch eh alles immer nur Auslegungssache. Die Romantik scheint irgendetwas gewusst zu haben, was mir noch immer nicht klar geworden ist. Bald wird die Runge-Ausstellung in Hamburg sein und wenn es das nächste Mal eine Möglichkeit gibt, seine Werke zu sehen, werde ich schon alt sein. Alles so relativ.
Abgründe der Menschheit beschäftigen mich in dieser Woche. Ich mag kaum noch ein Buch aufklappen, eine Zeitschrift anstarren. Sätze aus Psychologie Heute schwirren noch um mich, Sexualstraftäter und über vier Stunden lang brutal vergewaltigte Frauen. Und die Täter kriegen dann nur ein paar Jahre Haft und viel Aufmerksamkeit durch Psychologen, Pädagogen. Wir versuchen, ihr Leben zu retten, sie zu resozialisieren, damit sich die Tat dann doch wiederholen kann. Und die Opfer, denen kann eigentlich keiner mehr helfen, die behalten, was ihnen angetan wurde. Dann sagt irgendjemand zu irgendetwas eine Meinung, die mir nicht passt, die zeigt, wie krank wir doch alle sind. Dass er in Einmachgläser eingelegte Embryos auf ebay ersteigern will und ich lege die Hand auf meinen Bauch und weiß, ich würde nie nie niemals einen Menschen töten wollen, nie mein Baby umbringen. Damit es nachher auf dem Müll landet oder ein Accessoire im Wohnzimmer des Frankenstein liebenden Nachbarn ist.
Das ist mir alles zu jessica-naomi.
Liebe Grüße aus dem Leben. Ihr seid doch alle krank. Kollektives Wir.

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Dienstag, 2. November 2010

wenn es so sehr weh tut, dass du weißt, entweder wird es dich umbringen oder du musst beginnen, loszulassen

Ich weiß nicht weiter. Ich texte Menschen mit meinen Reflexionen zu. Das war ein Vorwurf und wahr ist es wohl auch. Ich spreche über meine Gefühle, ja.
Der Vorwurf kam von einem Menschen, der mir so nahe steht, dass ich nicht mehr atmen kann. Nicht mehr atmen will. Ich fühle mich nicht behandelt, als würde ich geliebt, geschätzt, ernst genommen, als würden meine Gefühle beachtet. Ich fühle mich behandelt wie jemand, der zäh sein muss, Gummimasse, die immer mitgeht, sich formen lässt, ohne Risse zu kriegen.
In Momenten der Enttäuschung spielt es keine Rolle, was eigentlich ist, was wahr ist, was rational ist, ob du mich liebst und mir nicht weh tun willst und es doch irgendwie anders meintest.

In Wirklichkeit habe ich nicht nur Risse, sondern bin zerrissen worden, unzählige Male.
Und habe selbst zerrissen, ja.
Und habe versucht mich zusammenzuflicken, zu retten, zu kitten. Und dich mit. Uns wieder ganz zu machen.
Und du, in Wirklichkeit bist du wie ein Weisheitszahn. Ich weiß, der Zahn musst weg, kann nicht ewig Teil meines Lebens sein. Denn das wird weh tun, sehr weh tun, er wird alle meine Zähne verschieben, herausdrücken, all die Jahre des Klammertragens werden sinnlos sein.
Und jetzt schon, langsam und wachsend, fangen meine Zähne an, sich zu verschieben. Der Zahn drückt, wie eine tickende Bombe, die bald in die Luft gehen wird, vielleicht. Und ich weiß, der Zahn muss weg.
Aber es geht nicht, ich habe zu sehr Angst vor den Schmerzen, dass sie noch größer werden. Werden sie, in jedem Fall. Und es dauert, bis die Wunde verheilt. Und ich kann noch etwas an der Zeit drehen, es eilt ja nicht, nur irgendwann, bald...
Ich liebe.
Aber was ist das wert, wenn es nur weh tut?
Wenn ich es freilassen will, aber nicht kann, weil ich jedes Mal wieder enttäuscht werde?
Ist es dann vielleicht doch keine Liebe?
Und wer hat das Recht darüber zu entscheiden?
Ich bin hier in dieser Stadt, alleine, habe meine Familie verlassen, sie für uns strapaziert, um das alles irgendwie zu überleben. Meine Freunde, sie mit allen Sorgen belastet. Damit sie mich nachher wieder glücklich in deinen Armen wussten.
Dann zog ich zu dir, nach der langen, unendlich scheinenden fernen Zeit, unsere Fernbeziehung. Ich war bereit alles aufzugeben, habe so viel aufgegeben.
So viel Negatives konnte ich zurücklassen. Glauben an mich gewinnen. Ihn wieder verlieren, als du mich verlassen hast. Ihn zurückgewinnen, als du wieder da warst. Verbunden mit immer mehr Angst, Schmerz. Mit dem Wissen, diesem schrecklich kaputten, leeren Gefühl, dich nie wieder so lieben zu können, wie ich dich geliebt habe. Als das alles noch nicht passiert war. Damals waren wir wirklich frei.
Ich kann das kaum glauben. Ich verstehe es nicht. Wie können sich Dinge nur so verändern. Wie vermag eine so kurze Zeit so weh zu tun. Es ist kaum ein Jahr meines Lebens. Und ich will all die anderen Jahre dafür aufgeben. Und die folgenden, die, die noch sein könnten, die will ich auch kaum noch.
Mit dem Wissen, dass es nichts bringt, dich mit allem, was ich habe, zu lieben.
Und Liebe, ich weiß nicht einmal, was das meint. Ich kenne nur Euphorie, Freude, Trauer, Schmerz, Einsamkeit, Enttäuschung.
Und Sehnsucht.
Jetzt bin ich völlig erschöpft. Ich kann nicht begreifen, alleine zu sein. Erwachsen werden zu müssen. Dass da niemand mehr ist, der einem etwas abnehmen wird. Dass man am Ende immer alleine dasteht.
Reflektieren, dir meine Gedanken mitteilen. Davon willst du also nichts mehr wissen.
Dann hast du mich nicht verdient.
Und ich dich vielleicht nicht. Weil ich nichts Gutes mehr in dir sehen kann.
Oder einfach nur weiß, dass es einfacher ist, wenn ich nichts Gutes mehr sehe, alles andere ausblende. Verdränge, was war, wie sehr ich geliebt habe.
Und liebe.

Ich weiß nicht, was ich schreibe, schrieb. Ich schreibe wie ich denke und zwei Sekunden darauf denke und fühle ich schon wieder anders.
Oder kann ich beginnen, zu verändern?