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Germany
Studentin. 23 Jahr, sprödes Haar. Über alles und nichts im Leben.

Donnerstag, 27. August 2009

DU


Ich habe ihn gefragt, ob er Mädchen in Karoblusen mag, meine Sommersprossen zählen will, Bandshirts trägt und sich manchmal tagelang nicht die Haare wäscht.

Du bist groß und dünn. Du trägst Skinnyjeans aus schwarzer Baumwolle, die um das, was du gar nicht wirklich hast - ein Hinterteil - schlakst. Schwarz ist für dich mehr eine Einstellung als eine Farbe. Du bist stark. Deine starken (dünnen) Arme halten mich, wenn ich mich an deine flache Brust schmiege.


Du trägst Bandshirts der richtigen Bands. Du hörst From Autumn to Ashes und verstehst, wo ich mich in den Texten meiner Lieblingsband Nobody's Star sehe. Du hörst heute, was ich morgen höre.


Deine Haare sind wuschelig. Ich darf in deinen Haaren herumwuscheln, mich in ihnen festkrallen.


Du schreibst, mit weichem kratzenden Bleistift in dein schwarzes Moleskine. Immer eigentlich. Und immer hörst du mir zu, interessierst dich für mich, auch wenn ich nur gerade über Kekskrümmel auf meinen Schenkeln und Tomatensoßeflecken auf weißen XXL Leinenmix-Blusen von Gudrun Sjöden rede.


Du liest mir vor. Ich lausche manchmal und die ganze Zeit über folge ich den Bewegungen deiner spröden Lippen. Manchmal liest du mir von dir vor. Du bist poetisch und tiefsinnig, magst nicht das, was andere sehen und denken und fühlen.


Wenn wir reden, reden wir immer so, wie es das Thema gar nicht zulassen dürfte.


Du bringst mir Smoothies und Schlehen-Ursaft aus den Arkaden mit. Du kaufst mir grüne Gummifröschlis. Du sagst, weite Kleider und Männerhemden mit bunten Strumpfhosen liebst du an mir.


Du siehst aus wie Paul Boche. Du bist Paul Boche. Nein, du bist du. Nur ein bisschen so, wie ich mir Paul wunschgestellt habe.


Du hast Narben an den Handgelenken, den ganzen linken Arm hoch, du hast viele, aber es werden keine mehr neu aufgerissen. Du sagst was war, das war, aber ich darf dich sehen, wenn du leidest, dich fragen und dich antworten hören. Ich darf kein Mitleid haben und mir keine Sorgen machen. Du machst dir immer Sorgen um mich, das finde ich grässlich.


Wir streiten uns oft. Ich darf dich dann schubsen. Und dann darf ich Pro- und Kontra-Listen in dein Moleskine schreiben, als meinen Redeanteil bei der Streit-Diskussion, weil es den gar nicht gab.


Du bist ein Pudding-Vegetarier. Ich darf nicht für dich kochen, du kochst nicht für mich. Du isst nicht oft und viel. Du magst aber keine dürren Mädels, magst meine Arme und Schenkel und den Bauch.


Du schleppst mich auf Rock-Festivals und willst nicht, dass ich mit deinen Kumpels in einem Zelt schlafe. Du bist ein bisschen einfersüchtig, dabei kann ich mir nicht mal vorstellen, dass die sich je von meiner Hässlichkeit erholen werden.


Du trägst Windbreaker und wenn ich neben dir im Auto mit den getönten Scheiben sitze, spielst du an meinem linken Knie herum.


Du willst mit mir mal wegfahren und mein rechtes Knie tätscheln. In England zum Beispiel, im Auto.


Du suchst meine Lippen auf der Tanzfläche.


Du hast eine Spiegelreflex und zeigst mir, wie ich damit umgehen kann. Du fotografierst mich in Flohmarktkleidchen und Acne-Schuhen.


Du hörst mit mir manchmal auch Pink Floyd und Queen, Queen vor allem, auf Schaltplatte in deinem "Schneewittchen-Sarg".


Du tust so oft so schrecklich gleichgültig. Du bist nie einfältig.


Ich darf dir über iChat beim Aufräumen zuschauen ohne mich selber zeigen zu müssen, was nicht heißt, dass du mich nicht unbedingt jederzeit sehen und hören und alles willst.



Du verstehst wenn ich sage, ich brauch dies und jenes. Ich brauch dich. Nicht dass du verstehen kannst, warum man dich so braucht, aber du weißt dann, dass du einfach gebraucht wirst.


Du bist du, eben nur ein bisschen anders. Du bist du und ich bin ich, zusammen sind wir wir. Nicht du, nicht ich, wir. Wir sind dann einfach. Du schaukelst mich in deinen Armen wenn ich weine, und das tue ich oft in letzter Zeit.


Es sind manchmal nur Vorstellungen, die uns zu dem machen, was wir werden. Mitwachsen.

Von mir.


Kommentare:

  1. wow, es ist unglaublich gut.
    ist es von dir?

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  2. da musste ich fast weinen.. schön.

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  3. Das ist wunderschön geschrieben !
    S.

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  4. (ja. H&M Trend Organic Cotton, aber mehr Tshirt als Pulli)

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  5. eine der schönsten liebeserklärungen, die ich je gelesen habe!ich hoffe er hat die auch zu sehen/lesen/hören bekommen:)
    nur der satz mit dem das menschen sich nicht von deiner hässlichkeit erholen könnten macht mich traurig!du bist schöner als so manches model, denn du bist schön von innen und das ist was am meisten zählt:)
    beste grüße!

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  6. wie unglaublich süß <3 schön geschhrieben.

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  7. das ist wirklich sehr schön geschrieben.

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  8. er? oder wer?
    ich will gar nicht, dass es ihn gibt.

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  9. ah ah ah sowas wunderbares hab ich lang nicht mher geschrieben das macht einen richtig eifersüchtig hast du das selbst geschriebn? so schön

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  10. Nora...Einfach überwältigend!Toll!

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  11. wow... wunderschön geschrieben! und toll, dass du endlich nicht mehr nur einen post pro seite hast :)

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